Jenseits des p-Werts. Besser forschen.

Kurzfassung · Workshops, Methoden und Werkzeuge für eine bessere Forschungspraxis

Beyond p-values · HMU Health and Medical University Erfurt

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Ein Test zum Aufwärmen

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Eine Studie berichtet p = .01. Sechs Aussagen. Handzeichen bei jeder, die richtig ist.

Welche dieser Aussagen ist richtig?

Eine Studie vergleicht zwei Gruppen und berichtet p = .01.

  1. Die Nullhypothese ist mit 1 % Wahrscheinlichkeit wahr.
  2. Der Effekt ist real, denn p liegt unter .05.
  3. Der Effekt ist groß, jedenfalls größer als bei p = .04.
  4. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Befund replizieren lässt, ist 99 %.
  5. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Ergebnis reiner Zufall war, ist 1 %.
  6. Wäre p größer als .05, gäbe es keinen Effekt.

Handzeichen bitte. Bei jeder Aussage einzeln.

Alle sechs sind falsch

Keine einzige der sechs Aussagen trifft zu. Sie sind nicht ungenau, sie sind falsch.

~ 90 % der Forschenden interpretieren mindestens eine Aussage zum p-Wert falsch. Haller & Krauss (2002)

auch die Lehrenden Dieselbe Untersuchung zeigt: auch Personen, die Methoden unterrichten, liegen daneben.

Das ist kein Wissensproblem einzelner Personen. Es ist ein strukturelles Problem der Ausbildung.

Kein Randproblem

61 % Falsch-positiv-Rate, wenn übliche fragwürdige Forschungspraktiken (QRPs) zusammenkommen. Simmons et al. (2011)

~ 90 % der Forschenden interpretieren mindestens eine Aussage zum p-Wert falsch. Haller & Krauss (2002)

.05 eine willkürliche Schwelle, die zur Trennung von wahr und falsch geworden ist.

2015 verzichtet Basic and Applied Social Psychology als erstes Journal vollständig auf p-Werte.

The earth is round (p < .05).

Jacob Cohen, 1994

Die gute Nachricht

Die Wende

Bessere Alternativen existieren seit Jahrzehnten. Sie sind technisch ausgereift, didaktisch gut beschrieben und in moderner Software niederschwellig verfügbar.

Was fehlt, ist die flächendeckende Anwendung.

Drei Fragen, die jede Studie beantworten sollte

Frage 01

Gibt es einen Effekt, und wie groß?

Antwort: Effekte und Effektgrößen. Der p-Wert kann das prinzipbedingt nicht.

Frage 02

Wie verlässlich ist die Schätzung?

Antwort: Stichprobenqualität und Stichprobengröße. Nicht jede pauschale Power-Tabelle.

Frage 03

Was sagen die Daten über die Hypothese?

Antwort: Bayesianische Datenanalyse. Wahrscheinlichkeiten für Hypothesen statt Sieger-Verlierer-Schema.

Praktisch jede empirische Studie versucht, eine dieser drei Fragen zu beantworten. Der klassische Signifikanztest beantwortet keine davon vollständig.

Drei Fragen, drei Antworten

Frage 01

Wie groß ist der Effekt?

Effektgrößen berichten. Unstandardisiert für die Entscheidung, standardisiert für den Vergleich, immer mit Intervall.

4,2 Punkte im BDI-II · d = 0.42, 95 % CI [0.18, 0.66]

Und immer im Vergleich zum eigenen Feld, nicht zu Cohens Faustregel.

Frage 02

Wie verlässlich ist die Schätzung?

Erst Qualität, dann Größe. Mehr Fälle heilen keine Verzerrung. Drop-out ist ein Auswahlmechanismus.

Und statt Power planen wir Präzision: wie schmal soll das Intervall werden?

Fehler halbieren heißt vierfache Stichprobe.

Frage 03

Was sagen die Daten über die Hypothese?

Bayesianisch rechnen. Posterior = Likelihood × Prior / Evidenz.

Mit 87 % Wahrscheinlichkeit ist der Effekt mindestens d = 0.3.

Der Bayes-Faktor liefert auch Evidenz für die Nullhypothese. Das kann der Signifikanztest nicht.

Das Angebot

Website-Tour

Alles, was jetzt kommt, ist offen zugänglich. Kostenfrei, ohne Anmeldung, vollständig im Browser.

Drei Wege ins Material

Weg 01

Workshops

Strukturiert lernen. Drei Workshops, 18 Kapitel, jedes mit Theorie und einer interaktiven Anwendung.

Weg 02

Fragen

Themenzentriert einsteigen. Zehn konkrete Fragen, jede führt direkt ins passende Kapitel.

Weg 03

Methoden

Vertiefen und nachlesen. p-Werte, Effektgrößen, Stichproben, bayesianische Analyse.

Wähle den Einstieg, der zu dir passt. Wer ein konkretes Problem hat, nimmt die Fragen. Wer systematisch lernen will, nimmt die Workshops.

Starte mit deiner Frage

Live auf der Website · scrollbar und klickbar

Die drei Workshops

Workshop 01 · Grundlagen 01

Beyond Significance

Warum der p-Wert nichts über Bedeutsamkeit aussagt, und wie du Effektgrößen, Praxisrelevanz und Publikationsbias greifbar machst.

6 Kapitel ca. 2 h

Workshop 02 · Methodik 02

Repräsentativität & Stichprobengröße

Von der Stichprobe zur Population: Verzerrung, p-Hacking, Schätzgenauigkeit und Unsicherheit, anschaulich am SmartRail-Szenario.

5 Kapitel ca. 1.5 h

Workshop 03 · Vertiefung 03

Denke Bayesianisch

Vom Wahrscheinlichkeitsbegriff bis zur Posterior-Verteilung. Schritt für Schritt, mit interaktiven Beispielen aus dem SmartRail-Szenario.

7 Kapitel ca. 2 h

Die Reihenfolge ist didaktisch: vom Problem (Effekte) über die Methodik (Stichproben) zur Alternative (Bayes). Jeder Workshop steht aber auch für sich.

Was du morgen anders machen kannst

  1. Berichte Effektgrößen, standardisiert und unstandardisiert, immer mit Intervall.
  2. Plane Präzision statt Power. Frage, wie schmal dein Intervall werden soll.
  3. Schreibe auf, was du vorhast, bevor du in die Daten schaust. Auch ohne formale Präregistrierung.
  4. Vergleiche deinen Effekt mit deinem Feld, nicht mit Cohens Faustregel.
  5. Nutze Nicht-Signifikanz nicht als Beleg für Abwesenheit. Oder rechne bayesianisch und bekomme eine echte Antwort.

Nichts davon braucht neue Software oder ein neues Studiendesign. Punkt 1 bis 4 sind Berichtsentscheidungen.

Danke

Alles kostenfrei, ohne Anmeldung, vollständig im Browser.

Drei Workshops, 18 Kapitel, dazu Methoden-Seiten und kuratierte Ressourcen. Inhalte unter Creative Commons CC BY 4.0, nutzbar in eigener Lehre.

Geführte Sessions für Institute und Teams sind in Planung.

Kontakt: Thomas Schäfer, Thomas.Schaefer@hmu-erfurt.de

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In Trägerschaft der HMU Health and Medical University Erfurt, gefördert durch die VolkswagenStiftung im Rahmen der Förderlinie Pioniervorhaben.